Trillian Astra: Bunter, Größer, Voller

Am vergangenen Mittwoch bin ich irgendwie an eine Einladung zum Trillian Astra Betatest gelangt. Also flugs das neue Ding installiert, und mich von den Eindrücken berauschen lassen. Nach nun immerhin 6 Tagen hier meine ersten Gedanken.

Installation

Die Installation verlief unter Windows XP soweit problemlos. Sogar die alten Kontaktlisten aus meiner Trillian 3-Installation wurden beim Upgrade ohne weiteres importiert. Wünschenswert wäre dabei einzig gewesen, dem User eine Option einzuräumen, die Kontaktliste mit den ICQ-Servern abzugleichen – ein Feature, welches ich schon in den alten Versionen vermisst habe, da ich meiner Kontaktliste erst vor kurzem – auf dem anderen PC – eine Generalüberholung gegönnt habe.

Ein überfülltes Eismeer

Gewundert hat mich, dass Trillian nun auch eine eigene Anmeldung erfordert. Doch was solls, im Zeitalter des sowieso schon gläsernen Menschen tut ein Account mehr oder weniger auch nicht weh. Schnell registriert – mein Accountname war natürlich noch frei – und gestartet. Dann der erste Schock: All die Don’ts, die mich vor Jahren von ICQ haben abschwören lassen, scheint Cerulean Studios mir mit der neuen Version wieder präsent machen zu wollen. Mich begrüßt eine unglaublich mächtige Sidebar mit riesigen Avataren, die beim Überrollen mit der Maus aberwitzig große Detailtooltips megalithen auslösen, Farbverläufen, die in Blau-Türkis-Weiß wohl irgendwas zwischen Coolness und Tiefe ausdrücken sollen,  und Buttons, die mich in ihrer Anordnung im unteren Teil optisch spontan an ein bekanntes Sliderhandy erinnern.

Das Aussehen von Trillian Astra nach der Installation

Das Aussehen von Trillian Astra nach der Installation

Der Test-Chat gibt mir den Rest: Statt der altbekannten IRC-Inspirierten Chat-Auflistung sind die Beiträge in nervöse Sprechblasen verpackt, die, hinterlegt wiederum mit dem Ozean-Nordpol-Farbverlauf, jegliche Übersicht gänzlich verhindern. Ob Cerulean damit verhindern will, dass des Chatters Augen an einer Stelle festwachsen?

Glücklicherweise jedoch ist das Konfigurationsmenü schnell gefunden, und siehe da: Die erste positive Überraschung. Trillian Astra ist wieder einmal – zumindest gefühlt – absolut konfigurierbar. Unter “Skin” fein das vertraute Whistler ausgewählt, unter “Chat” die gewohnte IRC-Schreibweise und unter “Ansicht” die Kontaktlistendarstellung auf ein Erträglichum eingestellt. Aufatmen.

Konfigurationsdschungel

Blinken. Ein Pop-Up-Fenster zeigt mir an, dass Anika nicht länger online ist. Bitte was? Nicht nur das Anmelden, nein, auch das Abmelden eines Kontaktes soll mich zukünftig aus meiner Arbeit reißen? Doch hey, die mächtige Konfiguration kann das doch bestimmt. Nur wo? An Übersicht wurde leider auch im sonst so gut gelungenen Konfigurationswerkzeug gespart. Eine Suchfunktion gibt mir Mut – doch wirft sogleich die nächste Enttäuschung auf: Alles was die Suchfunktion bewirkt, ist, dass die Einträge, in denen der Suchbegriff nicht auftaucht, ausgeblendet werden. Und das nicht einmal Einstellungskapitelübergreifend. Der wirkliche Mehrwert dieser Suche bleibt also aus.

Automaten

Nils hat sich abgemeldet.

Nur ein kleiner Ausschnitt des Automatisierungsfunktionen von Trillian Astra

Nur ein kleiner Ausschnitt des Automatisierungsfunktionen von Trillian Astra

Ein wenig durch die Konfig geblättert, treffe ich endlich auf den Knopf, der mich vor ebensolchen Informationen zu schützen verspricht. Er heißt vielversprechend Automatisierung. Was er kann? Events mappen! Coole Sache! Ich bin mir nicht sicher, ob Trillian das nicht vorher auch schon beherrschte, aber ich kann nun jedes Ereignis mit einer Vielzahl von denkbaren Aktionen verknüpfen: “Wenn Kontakt Online, dann starte Notepad”, zum Beispiel, oder “Wenn Person X online geht, schreibe Nachricht Y an Person Z”. Geiles Feature, dessen Möglichkeiten ich nocht nicht einmal bis zuende ausmalen konnte. Weitere Events sind “Planer-Events” (Zeitgesteuert), Kontaktspezifische Events, Programmgenerierte Events (das mächtigste Dropdownfeld) und Tastenkombinationen. Aktionen, die aufgerufen werden können: Klang spielen, Alarm- oder Benachrichtigungsfenster anzeigen, Programm starten, Status(-text) ändern, Nachricht senden.

Schöne Sache, liebe Entwickler! Mit ein bisschen Herumfuchsen kann man dann demnächst seine Kaffeemaschine per twitter steuern – denkbar wär’s!

Vögeln

Apropros, twitter. Twitter? Hatter! Außerdem kommt Trillian Astra von Haus aus mit Unterstützung für AIM, ICQ, Bonjour, Facebook, IRC, POP3/IMAP, MySpace-IM, Skype*, MSN Messenger, XMPP und den Yahoo Messenger. Alle Plugins lassen sich selbstverständlich wie gewohnt nach Belieben aus- oder einschalten.

* in den bisherigen Versionen wollte das Skype-Plugin nur, wenn auch Skype installiert ist. Wie sich das in Astra verhält, habe ich leider noch nicht testen können.

Better Beta

Von der Tatsache, dass sich Trillian Astra noch in der Beta-Phase befindet, merkt der Nutzer wenig. Im gegenteil – nicht zuletzt durch den gefühlt schnelleren Start im Vergleich zur Vorgängerversion wirkt das Programm schon sehr ausgereift. Einzig zwei Bugs fallen auf: Zum einen wird die Sortierung der Dienste nach Programmneustart verworfen – so erscheinen bei mir die twitter-updates ständig an erster Stelle. Zweitens haben die Systray-Notifications weder einen Schließen-Button, noch einen automatischen Ausblend-Timer, sodass man zum Klick gezwungen ist.

Money, Money, Money

Das Config-Menü schreit: "Kauf mich!"

Das Config-Menü schreit: "Kauf mich!"

Jaja, welch leidiges Thema für unsereins, die sich Freeware installieren… Schon in der Konfiguration ist ein hässliches, goldfarbenes Symbol immer wieder aufgefallen. Wenn es auch durch Klick, Mouseover oder Beschwörung keinen Informationswert liefert, so hat es doch einen Wiedererkennungswert an anderer Stelle: Der verkrüppelte Goldbarren ist das Zeichen, das uns immer brav daran erinnert, wie cool wir doch erst mit Trillian Pro wären! Da bei dem Betatest-Key eine 30 Tage Pro-Testlizenz enthalten war, kann ich noch nicht sagen, was ich alles vermissen werden, oder ob in der Basic-Version die Zeichen vor gefühlt jeder dritten Einstellungs-Option verschwinden werden. Wenn nicht, darf man die Omnipräsenz des Icons wohl als Ceruleans werbenden HolzGoldhammer interpretieren…

Fazit

Trillian Astra zeichnet sich schon in der Beta durch coole neue Features und einige durchdachte Optionen aus. Dem stehen jedoch einige Dinge entgegen, die meiner Meinung nach nicht unbedingt zu einem guten Gefühl bei der Benutzung des Tools beitragen – besonders einige Default-Werte. Allerdings darf der User nach ein wenig Konfigurationsaufwand auf ein schnelles und unglaublich flexibles Chatprogramm hoffen.

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